Die Geburt aus männlicher Perspektive – Erfahrungsbericht und was ihr als Vater tun könnt um eure Frau zu unterstützen - Big Papa Blog
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Ein neugeborenes Baby schaut auf den Vater, die Geburt aus Männerperspektive

Die Geburt aus männlicher Perspektive – Erfahrungsbericht und was ihr als Vater tun könnt um eure Frau zu unterstützen

Männer werden nie gefragt. Meine Freundin musste ständig erzählen, wie die Geburt für sie war. Ich genau null mal. Ok, sie hat auch die ganze Arbeit gemacht, das stimmt schon. Aber für mich war die Geburt meines ersten Kindes doch auch eine krasse Erfahrung. Interessiert hat die männliche Perspektive keinen.

 

Ich könnte mir aber vorstellen, dass der ein oder andere Vater in spe schon gerne wissen würde, was da so auf den Mann zukommt. Deswegen hier mein Erfahrungsbericht zur Geburt aus einer männlichen Perspektive.

 

Das erste womit ich nicht so richtig gerechnet hatte: die Geburt geht schon lange vor der ersten Wehe los. Neben der Frage, welche Hebamme man nehmen soll stellt sich häufig die Frage, wo man denn eigentlich gebären soll.

Soweit ich das kapiert habe, gibt es da drei Möglichkeiten.

 

  1. Die Hausgeburt/ Geburtshaus

Bei der Hausgeburt, wird das Kind, wie der Name schon sagt zuhause geboren. Unterstützung gibt’s durch die Hebamme. Der Vorteil ist, dass man nicht ins Krankenhaus muss. Weil Krankenhäuser sind einfach nie so richtig geil. Man bleibt in der gewohnten Umgebung und das kann schon ziemlich entspannend sein, glaube ich. Wem das ein Tick zu krass ist, geht ins Geburtshaus. Das ist ein von Hebammen betriebene Einrichtung, die nur für die Geburt zuständig ist. Das ist zwar nicht ganz so entspannt wie zuhause aber immerhin kein Krankenhaus. Nachteil ist natürlich, dass das Equipment eines Krankenhauses fehlt. So ein professioneller Kreissaal hat das verstellbare Bett, Seile zum festhalten wenn der Schmerz zu groß wird und nicht zuletzt Ärzte, die im Notfall helfen können.

 

  1. Das nächstgelegene Krankenhaus

Das ergibt Sinn. Einfach in das nächste Krankenhaus gehen. Dort hat man sehr schnell professionelle Betreuung, wenn es dann losgeht. Und tatsächlich weiß man ja nicht genau, wieviel Zeit noch bleibt wenn die Wehen einsetzen. Der große Nachteil: fast alle Krankenhäuser sind ein bisschen scheisse. Das Personal ist überlastet, überall ist Hektik und man hat das Gefühl, dass man eigentlich vor allem ein Stressfaktor ist. Aber natürlich gibt es große Unterschiede zwischen den Geburtskliniken der Krankenhäuser und professionell sind sie wohl alle (auch wenn ein Blick auf Internet-Bewertungen etwas anderes vermuten lässt).

 

  1. Ein Superstar-Krankenhaus

Jede Stadt hat eins. Das Krankenhaus, auf das alle schwören. Den Diamanten der Geburtskliniken, den Ort der sanften Entbindung, der die Geburt anscheinend zum Kinderspiel macht. Oft sind das Kliniken ohne Notaufnahme, entsprechend ist das Personal nicht so gestresst. Fast immer gibt es Familienzimmer, damit die Väter mit der Mutter und dem Kind im Krankenhaus übernachten können. Und die Ausstattung ist fast immer absolut top. Aber es gibt zwei große Nachteile an diesen Superstars. Erstens muss man großes Glück haben wenn so ein Geburts-Spa in der Nähe des eigenen Wohnorts liegt. Unter Umständen muss man also recht weit fahren wenn die Wehen einsetzen. Und zweitens sind sie nie ein Geheimtipp – die Plätze sind entsprechend umkämpft.

 

Unsere Entscheidung: Krankenhaus Havelhöhe in Berlin

Wir haben uns für Option 3 entschieden, das Super-Krankenhaus. Und wenn ich sage, dass wir uns entschieden haben, meine ich natürlich, dass sie sich entschieden hat. Das wäre auch mein Tipp an alle Männer: Bei der Wahl des Geburtsortes haltet ihr euch zurück. Die Frau macht die meiste Arbeit also entscheidet sie auch über den Arbeitsort.

 

Unser Arbeitsplatz sollte das Krankenhaus Havelhöhe sein. Antroposophisch, ohne Notaufnahme, mit Familienzimmer und im Grünen gelegen. In Berlin wollen alle dort hin.  Aber weil das so geil ist, kommt man da nicht einfach so rein. Man muss schnell sein. Zu einem bestimmten Stichtag werden Neuanmeldungen für einen bestimmten Geburtsmonat zugelassen. Für alle November-Kinder ist der offizielle Anmeldetermin der 01. Juni. Wer nicht an diesem Tag und dann auch noch in der ersten Stunde nach Beginn der Bürozeiten anruft, landet schon auf der Warteliste.

 

Wir hatten Glück: wir haben einfach 5 Minuten vor dem offiziellen Beginn angerufen und konnten uns so unseren Platz sichern.

 

Die Wehen gehen los – das könnt ihr als Mann tun

Danach ist erstmal Ruhe. Ihr macht wahrscheinlich noch einen Geburtsvorbereitungskurs aber sonst heißt es, warten bis es losgeht. Und jetzt schon einmal eine Warnung an alle Männer: ihr werdet euch wie nutzlose Trottel vorkommen.

 

Fast immer beginnen die Wehen abends. Da könnt ihr euch noch richtig nützlich machen. Ihr könnt die Zeit stoppen. Wie lange dauert die Wehe, wie lange ist die Pause. Top-Aufgabe! Wenn die Pause zwischen den Wehen unter 10 Minuten fällt, könnt ihr ins Krankenhaus fahren.

 

Taxi rufen! Das könnt ihr auch machen. Das ist gut. Und die Tasche ins Taxi tragen. Bis dahin fühlte ich mich zumindest noch als richtig hiflreich.

 

Im Krankenhaus – tut, was euch gesagt wird

Ab dem Krankenhaus könnt ihr euch darauf einstellen, dass ihr euch maximal hilflos fühlt. Wehen sind eine krasse Sache. Die Erfahrung, wie die eigene Partnerin ihre Schmerzen nur so rausschreit und wie sie sich an irgendwelchen Seilen festhält, um es einigermaßen auszuhalten ist schon starker Tobak. Und was macht ihr? Vor allem doof zuschauen und versuchen wach zu bleiben. So eine Geburt dauert im Durchschnitt 10 Stunden – beim ersten Kind oft noch länger. Da ist echt Durchhaltevermögen gefragt. Ich habs übrigens nicht geschafft – ich bin nach 4 Stunden auf dem Boden eingepennt (aber nur für ne halbe Stunde).

 

Klar, ihr könnt euch nützlich machen. Ihr den Schweiß von der Stirn tupfen, Getränke oder Essen reichen und sie daran erinnern sich in den Wehenpausen zu entspannen und dass sie nicht zu tief ein- und dafür lang ausatmen soll. Aber sie ist halt in dem Moment LeBron James und ihr ein Balljunge, ist so. Der Coach ist die Hebamme, die am Anfang immer wieder und später dann ständig vorbeischaut und checkt ob alles läuft.

 

Im Vorfeld hört man auch gerne mal, dass man die Frau anfeuern und motivieren soll. Manche mögen das gut finden, ich finde es affig. Ich habe keine Ahnung davon, was die Frau gerade durchmacht und soll ihr dann erklären, dass sie das „ganz toll“ macht? Meine Freundin hätte mich wahrscheinlich ausgelacht (wenn sie in dem Moment die Kraft dafür gehabt hätte). Zum Glück hat den Teil die Hebamme übernommen.

 

Die Geburt – jetzt kommt euer Auftritt

Irgendwann, meistens nach mehreren Stunden kommen die Presswehen. Das ist dann der Endspurt. Da gebe ich am Besten überhaupt keine Tipps außer einen. Macht exakt das, was die Hebamme euch sagt. Sie ist der Profi, sie weiß was zu tun ist. Meckert nicht, macht einfach. Zumindest hab ich das getan und das war sicher das geschickteste.

 

Und so geht dann auch der letzte Teil der Geburt zu Ende und plötzlich hat die Hebamme ein kleines, blutiges, zerknautschtest Ding in den Händen. Sie legt es eurer Partnerin auf die Brust und die beiden bonden erstmal schön.

 

Das ist aber noch nicht euer Feierabend. Ganz im Gegenteil! Jetzt kommt euer großer Auftritt. Der Moment in dem ihr die Hauptrolle spielt – wenn auch nur kurz. Und zwar dürft ihr ziemlich wahrscheinlich die Nabelschnur durchschneiden.

 

Wow! Ihr trennt euer Kind von der Mutter ab und führt es in die Welt. Was für ein emotionaler Moment! Leider gar nicht.

 

Ich zumindest hatte vor allem Schiss, was kaputt zu machen. Glücklicherweise ist die Hebamme auch auf Körperkläuse vorbereitet und ihr bekommt die Nabelschnur und die Schere so dargereicht, dass selbst die größten Trottel das nicht versemmeln können. Emotionale Bindung durch den Akt war bei mir nicht dabei. Ich war einfach nur froh als es geschafft war. Und damit meine ich nicht nur das durchschneiden, sondern die ganze Geburt.

 

Lasst euch die Geburt nicht entgehen

Ja, es ist so, dass ihr euch während der Geburt wie nutzlose Trottel fühlt. Und irgendwie seid ihr es auch. Aber wenn man den Schilderungen meiner Freundin glauben darf, solltet ihr trotzdem eure Rolle nicht unterschätzen. Es ist gut, wenn ihr dabei seid. Ihr seid die emotionale Stütze für eure Partnerin (auch wenn sie euch zwischendrin beschimpft, kann auch vorkommen).

 

Und auch für euch Männer ist das eine echt krasse Erfahrung. Auf eine negative Art – die Freundin/ Frau so leiden zu sehen ist echt ganz schön scheisse. Und auf die positive Art- bei all dem Männlichkeitsgelaber: die Geburt ist einfach ein fucking Wunder und ihr wärt einfach Trottel, wenn ihr euch das entgehen lasst. Plötzlich ist da ein neuer Mensch im Raum. Jemand, der ab jetzt bei euch wohnt und voll auf euch angewiesen ist. In den ersten Sekunden nicht dabei zu sein ist scheisse.

 

Das gilt natürlich nicht, wenn die Frau keinen Bock auf euch im Kreisaal hat. Dann müsst ihr das wohl oder übel respektieren. Wie gesagt, sie ist LeBron, ihr seid der Balljunge.

 

Trotzdem hoffe ich, dass mein Erfahrungsbericht eine kleine Hilfe auf die Vorbereitung und eure Rolle während des Ganzen ist. Wenn ich ehrlich bin, würde mich schon interessieren, wie es anderen Männern während der Geburt ergangen ist. Also wenn ihr Bock habt, schreibt mal in die Kommentare, wie es bei euch war und welche Tipps ihr so habt.[/vc_column_text][/vc_column][/vc_row]

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